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Kindergeburtstag

Der beste Anlass, den es für einen Stoßseufzer der Marke "Mein Gott, wie die Zeit vergeht..." geben kann, war der erste Geburtstag meiner Enkeltochter Mariella: hatte ich sie doch gestern noch als winziges federleichtes Bündelchen, dessen Hauptbeschäftigung aus Schlafen und Trinken bestand, auf dem Arm.

Heute spaziert sie, sich lediglich eines Fingers von Mama oder Papa als Sicherheitsleine bedienend, durch den Garten, pflückt Gänseblümchen von der Wiese, nimmt ihren neuen Sandkasten in Besitz, indem sie auf den Stapel der Einzelteile klettert, die noch darauf warten, zusammengebaut zu werden, und mampft genüsslich Geburtstagskuchen. Auch wenn das mit dem Auspusten der Geburtstagskerze noch nicht so recht klappt und sie noch nicht wirklich versteht, dass all die Menschen um sie herum - Tanten und Onkels, Omas und Opas, Uromas und Uropas - nur ihretwegen da sind - Mariellche steckt den Rummel um ihre Person recht gelassen weg. Bewundernswert gelassen sogar. Ich bin ja kein Freund solcher großer Familienfeiern. Das ist nicht wirklich mein Ding und wenn ich mich irgendwie davor drücken kann, dann tue ich das. Aber was tut man nicht alles für das Enkelchen... zumal es für sie offensichtlich und glücklicherweise wesentlich weniger stressig ist, als befürchtet.

Und auch meine Befürchtung, dass die Menge der Geschenke und die damit verbundenen neuen Eindrücke sie überfordern könnten, macht das Geburtstagskind zunichte. Denn nachdem unter kollektiv seufzendem "Aaaaaah" und "Ohhhhhh" die erste Puppe ihres jungen Lebens der Verpackung entledigt das Licht der Welt erblickt hat, sind alle anderen Geschenke, die noch ihrer Entdeckung harren, uninteressant geworden. Für Mariella gibt es nur noch ihre Puppe. Wen interessieren Bücher, Plüschhasen oder Wasserspielzeug, wenn man ein Püppchen hat, das man knuddeln und herzen und abschmatzen kann, mit dem man das Händeschütteln und Guten-Tag-Sagen üben kann, dem man die Mütze vom Kopf ziehen und sie wieder aufsetzen kann und das man hinlegen und mit ihm kuscheln kann?! Eben!

Ein kluges Kind, das Mariellche. Mein Enkelkind eben...
Donnerstag, 22.05.08
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Ein Wahnsinnsgefühl

Da hatte ich sie nun endlich im Arm: zufrieden schlafende, 48 Zentimeter kleine 2700 Gramm Menschlein, das Köpfchen nicht einmal die Handfläche ausfüllend, Fingerchen so klein und zart, dass man sie kaum zu berühren wagt, eine winzige Nase im inzwischen schon glatten Gesichtchen, in dem sich die Übungen für die spätere Mimik widerspiegeln: gerade eben proben die Lippen noch ein Lächeln, im nächsten Moment verzieht sich der Mund zum Weinen.

Sie schläft.

Sie ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Nicht durch das Herausheben aus dem Kinderwagen, nicht durch den höllischen Lärm verursachenden Rasenmäher des Nachbarn, nicht durch das Kitzeln an den winzigen Fußsohlen und auch nicht durch das Streicheln ihrer kleinen Hand mit meinem Zeigefinger, das durch den babytypischen Greifreflex beendet wird.

Sie schläft.

Der Papa ist stolz wie Oskar. Und die Mama ist stolz auf den Papa, denn er kennt keine Berührungsängste, ist keiner von den Übervorsichtigen, die Angst haben, "etwas kaputt zu machen", wenn sie das Baby auch nur anfassen. Er wickelt die Kleine, er badet sie, er gibt ihr das Fläschchen - alles ganz selbstverständlich. Die intensive Beschäftigung mit der kleinen Schwester kommt ihm dabei wohl zugute.

Während die Kleine weiter ungerührt in meinem Arm schläft, stellen wir die üblichen Betrachtungen an: kommt sie mehr nach der Mama oder mehr nach dem Papa? Also - die Nase ist doch eindeutig der Papa! Der Mund dagegen ist ganz die Mama! Ich grinse ich mich hinein. Immer hab ich das Weite gesucht, sobald mehrere Mütter sich an einer Stelle sammelten, denn ich konnte diesen "Mütter-Schwatz" noch nie ab. Und jetzt bin ich mitten drin...

Und die Kleine schläft.

Langsam wird es Zeit aufzubrechen. "Wir kommen dann in einem viertel Jahr wieder" scherze ich noch. "Vielleicht hat sie bis dahin ja ausgeschlafen".
Da wacht sie auf - fast könnte man meinen, sie hätte es gehört - und schaut mich mit ihren blauen Babyaugen an. Also - diese blauen Augen, die hat sie ja ganz eindeutig von mir!

Das kann ja auch gar nicht anders sein. Schließlich ist es meine Enkeltochter. Und natürlich das schönste und süßeste Baby der Welt!

Ich bin aber trotzdem froh, dass es noch ein Weilchen dauert, bis sie sprechen kann.
An den Gedanken, dass mich jemand "Oma" nennt, muss ich mich nämlich erst noch gewöhnen.

:o)

Mittwoch, 23.05.07
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Senioren an die Macht!

Ist das nicht herrlich?
In Berlin wurde der erste Spielplatz für Senioren eröffnet. Was ja auch naheliegend ist, wo doch die Alten immer mehr werden und die Kinder immer weniger. Außerdem ist er mit 20.000 Euro vier- bis fünfmal billiger als ein Kinderspielplatz. Und man hat auch Rücksicht darauf genommen, dass die Berliner nicht so offen sind wie die Chinesen, die ihre Leibesübungen ungeniert in aller Öffentlichkeit zelebrieren. Deshalb wurde der "Outdoor-Fitness-Spielplatz" nicht, wie vorgesehen, in einer der großen Einkaufsstraßen, sondern in einem Park angelegt. Schade eigentlich. Das wäre bestimmt zu einem Publikumsmagneten geworden, wenn sich der gestresste Einkäufer bei einer Konsumpause entspannen kann, indem er den Omas und Opas bei ihrem Beweglichkeitstraining zuschaut.

Bleibt noch die Frage offen, ob unsere Senioren schon spielplatzreif sind: reif für den Beweglichkeitstrainer (ein im Boden eingelassener Edestahlstab, an den zwei große drehbare Scheiben mit Haltegriffen angebracht sind); reif für den Beintrainer (funktioniert wie eine Schaukel für Beine); feif für das Rückenmassagegerät (ein Katzenkratzbaum für Menschen)?

Die 85jährige Frau, die sich am Beweglichkeitstrainer versucht, ist zwar reif, hat aber zu kurze Arme.
Dem 71jährigen Mann erschließt sich der Nutzen des Beintrainers nicht.
2 alte Frauen bleiben mit den Rädern ihrer Gehhilfen im weichen und angenehm begehbaren Fitnessboden aus Rindenmulch stecken.

Als das Eröffnungszeremoniell vorbei ist und die Honorationen entschwunden sind, bleiben ein alter Mann, der seinen Rücken schüchtern am Rückentrainer schubbert und zwei Jugendliche, die die Belastbarkeit des Beintrainers austesten.

Ob sich die Idee vom Seniorenspielplatz durchsetzen wird? Ich bin mir da nicht so sicher...
Dienstag, 08.05.07
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Zwischen Depression und Amoklauf

Ist der Mensch eine tickende "Zeitbombe"?

Kürzlich habe ich mir "Roter Drache" angeschaut, die Verfilmung des gleichnamigen Buches von Thomas Harris, dem Autor von "Hannibal" und "Das Schweigen der Lämmer".

Was mir - beim Lesen der Bücher noch mehr als beim Anschauen der Verfilmungen - einen Schauer über den Rücken jagt, ist nicht die Dramaturgie, nicht die Spannung, noch nicht einmal die Handlung an sich.

"Auslöser für unsere Ängste sind unser Vorstellungsvermögen und unsere Phantasie", hiess der Schlüsselsatz für mich.

Genau!

Es ist die Vorstellung davon, welches unerforschliche Labyrinth die menschliche Psyche darstellt.
Es ist die Vorstellung davon, wie verletzlich die menschliche Psyche ist und dass wir selbst uns oft gar nicht darüber im Klaren sind, ja diese Verletzungen oft gar nicht als solche erkennen, sie jahrelang - von niemandem wahrgenommen - mit uns herumtragen.

Es ist die Ahnung davon, was passieren kann, wenn unser Vorstellungsvermögen und unsere Phantasie uns in Tiefen dieses Labyrinths führen, aus denen wir dann nicht mehr herausfinden und die Unberechenbarkeit bezüglich des Ventils, das wir uns dann schaffen (müssen) und des Zeitpunktes, zu dem dieses Ventil geöffnet wird.

Auslöser für unsere Ängste sind unser Vorstellungsvermögen und unsere Phantasie.

Ein kleines, eher "harmloses" Beispiel aus dem Alltag:

Vor fünf Jahren trat das *Scharmunzel* in mein Leben: ein Phantasiewesen, mit dem ich Gespräche führte, das ich spürte, das mich tröstete und das mir "in den Hintern trat", wenn es nötig war. Und ich fragte mich, ob ich auf dem Weg bin, "verrückt" zu werden, indem ich das zuließ...

Ein eher harmloses "Ventil" - aus meiner Sicht. Aber was, wenn es kein frecher kleiner Watteflausch gewesen wäre?¿

Was, wenn sich Verletzungen im Laufe der Jahre zu Dämonen auswachsen, die dann auf den nächsten besten losgelassen werden, der ahnungslos und unbedarft ausgerechnet das Knöpfchen drückt, das - tief verschüttet und unbewusst - mit eben diesen Verletzungen verknüpft ist?

Ist (zu viel) Phantasie der Schlüssel zum Wahnsinn?

Sonntag, 22.04.07
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Johanna ist Kult

Es dürfte wohl niemand mehr an "Ich-hab-die-Haare-schön-Johanna" vorbeikommen.
Und ja - auch ich fand sie lustig, als ich sie das erste mal sah - und hörte. Aber damit war mein Bedarf an "Johannas" dann auch gestillt.

Nun allerdings, wo Johanna zum Kult stilisiert wird, bin ich hin und weg: finde ich es doch ermutigend, dass damit ähnlich schlichten Gemütern signalisiert wird, dass auch sie eine echte Chance in unserer Gesellschaft haben. Vorausgesetzt, sie haben die Haare und die Möpse schön - und den Mut, sich zu ihrer Schlichtheit zu bekennen.
Freitag, 30.03.07
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Virtuelle Hiebe

Internetforen haben sich zu beliebten Plattformen entwickelt: für Meinungsaustausch, zum Kennenlernen, zur Selbstdarstellung - und für den Abbau von Aggressionen.

Mehr oder weniger erfahrene, mehr oder weniger unbedarfte User veröffentlichen ihre Texte, lassen die "breite Öffentlichkeit" teilhaben an ihren Erfahrungen, Erkenntnissen, Erlebnissen, Gedanken, Problemen. Sie ernten damit Zustimmung, Trost, Ablehnung oder auch Häme. Und mitunter machen sie sich damit zum Punchingball gefrusteter Gemüter. Es entwickeln sich Themenstränge, die mit dem Ausgangsthema absolut nichts mehr zu tun haben, in denen der Autor virtuelle Hiebe bekommt oder auch die Kommentatoren. Bevorzugt betrifft das "alteingesessene" User, die es im Laufe der Zeit zu ihren ganz persönlichen Lieblingsfeinden gebracht haben. Doch es kann auch Frischlinge treffen, die mit einem suspekten Nick oder einem suspekten Thema einsteigen. In erster Linie sind die Reaktionen dabei nicht vom angesprochenen Thema abhängig, sondern von der Tagesform der Feindbildbetrachter oder des Feindbildes selbst.

So weit, so gut - halt der ganz alltägliche Wahnsinn in Internetforen und Communitys.

Was mir bei diesem Spiel allerdings ein ewiges Rätsel bleiben wird, sind die verletzten Reaktionen der Betroffenen, wenn sie sich nach einem Artikel oder Kommentar mal wieder ihre virtuellen Hiebe abgeholt haben. Von Verletzungen, Schmerzen, Beleidigungen ist dann oft die Rede. Es wird selbst auf plumpeste Provokationen reagiert, oft inform von Rechtfertigungs-, Richtigstellungs- oder Erklärungsversuchen. Und das alles trotz des Wissens, dass es lediglich um die Provokation um der Provokation willen geht und nicht etwa um das Ausdiskutieren konträrer Meinungen. Und manche verfolgen solche virtuellen Nackenschläge bis ins reale Leben, ziehen sie regelrecht runter.

Ich kann das nicht wirklich nachvollziehen:

weil die Menschen, die sich hier tummeln und kommunizieren, Fremde für mich sind. Niemand hier kennt mich; man kennt mein Profil, meine Texte, aber nicht meine Persönlichkeit. Sie können meine Texte mögen oder auch nicht mögen, sie können sachlich oder unsachlich darauf reagieren. Damit muss ich rechnen, damit kann ich leben.

Verletzen aber können mich nur Menschen, die mich kennen und die ich kenne und achte, deren Meinung ich schätze. Deshalb interessiert es mich wie eine Wasserstandsmeldung, wenn jemand meint, mich mit verbalen Tiefschlägen treffen zu können und Provokationen auf der persönlichen Ebene werden schlicht und ergreifend ignoriert.

Dieser Aspekt und ein bisken Gelassenheit - und das Forenleben bleibt ein entspanntes Kommunikationsmittel.
Montag, 20.11.06
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Lukrative Geschäfte

Gestern konnten wir es dank der Berichterstattung unserer Medien endlich mal wieder bildhaft zur Kenntnis nehmen: diese Hartz4-Empfänger schrecken doch wirklich vor nix zurück, um heimliche Reichtümer anzuhäufen! Die Betonung liegt auf heimlich, denn diese rücksichtslosen Spekulanten bringen es doch tatsächlich fertig, ihr ohnehin schon üppiges Einkommen durch das Einheimsen von Flaschenpfand aufzubessern und das, ohne diese unerhörte Einnahmequelle beim Jobcenter anzugeben!

Niederträchtig nenn ich so etwas! Wer zum Beispsiel - trotz Alter und kaputten Beinen - den ganzen Tag auf denselben unterwegs sein kann, um weggeworfenes Leergut einzusammeln, der kann schliesslich auch arbeiten gehen!

So! Das musste mal gesagt werden!
Dienstag, 08.08.06
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Der Tag, als der Regen kam

Gestern war es endlich so weit: Wind kam auf... erst eine leichte Brise, die die aufgeheizte Luft allerdings nur umzuschichten in der Lage war. Dann - ich war gerade dabei, meine vor Durst vergehenden Balkonpflanzen zu nässen, fielen die ersten zaghaften Tropfen und verdampften, noch bevor sie die Erde berührten.

Ich setzte mich auf den Balkon, um nur ja nichts zu versäumen, im Altenheim gegenüber begann ein kollektive Fensteraufreißen und einträchtig und mit verzücktem Lächeln hielten wir unsere Gesichter trotzig in den stärker werdenden Regen und genossen den aufböenden Wind, bis ein Urknall in Form eines gewaltigen Donners uns zusammenzucken ließ, die Köpfe gegenüber eingezogen und die Fenster hastig geschlossen wurden und ich nunmehr allein gelassen den Naturgewalten trotzte.

Man konnte das erleichterte Seufzen der Natur förmlich hören, als der Regen endlich stark genug war, die Erde zu erreichen, der Asphalt dampfte, die Blätter der Bäume saugten die Feuchtigkeit auf und sorgten für diesen ganz charakteristischen Duft - es war absolut und hammermäßig ein Genuss für alle Sinne!

Allerdings leider viel zu kurz - im wahrsten Sinne des Wortes ein Tropfen auf den heißen Stein - denn wenig später war es nicht nur warm (zum Abkühlen hatte das kleine Möchtegerngewitter nicht ausgereicht), sondern schwül.

Jetzt sitze ich hier, aus allen Poren schwitzend, ohne etwas zu bewegen außer meinen Fingern auf der Tastatur, bar jeder Antriebskraft, mich wehmütig an den gestrigen kurzen, erfrischenden Augenblick erinnernd.

Mir steht der Sinn nach bindfädenförmigem Regen, nach Gullis, denen das Wasser zu den Ohren rauskommt, nach Pflanzen und Bäumen, denen der Regen den ganzen Staub der letzten Wochen abgewaschen hat und die sich nun erholt und gestärkt in alle Richtungen recken und strecken, nach Pfützen, in denen jauchzende Kinder herumhüpfen, nach Fenstern, die der Regen so blankgewaschen hat, dass ich mir das Putzen sparen kann... ;)

Vielleicht gelingt es mir ja, mich mit der Aussicht auf einen etwas längeren Sommerregen zu einem Regentanz zu motivieren...

:D

Freitag, 07.07.06
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Fernsehen bildet ungemein. Wer etwas anderes behauptet, ist ein infamer Lügner!

So ist mein Wortschatz seit den Nachrichten gestern nacht um zwei unglaubliche Wortschöpfungen reicher, nämlich um die "nichtrussischen Kosmonauten" (die ich hier unkommentiert lassen möchte) und - das ist für mich der absolute Überhammer an Kreativität - die "Verrichtungsbox". Das wird mein neues deutsches Lieblingswort des Jahres 2006...

Falls jemand von euch den Mut hat, sich auf meine Seite der bisher Unwissenden zu schlagen, soll dieser Mut natürlich belohnt werden. Und zwar mit Aufklärung:

Also - eine Verrichtungsbox ist so eine Art Bretterverschlag (so ähnlich wie eine Pferdebox - nur mit größerer Tür), in der Freier und Prostituierte relativ ungestört bzw. unbeobachtet ihrem Treiben nachgehen können. Es gibt sie für den Sex im Auto, aber - sehr verbraucherfreundlich - auch für den unmotorisierten Liebesdienstsuchenden (wobei hier allerdings der Komfort m.E. doch zu wünschen übrig läßt, denn so eine Nummer im Stehen ist ja nun nicht jedermanns Sache).

Diese Boxen haben diverse Vorteile: zum einen die Sicherheit sowohl von Prostituierter als auch Freier, denn jede Box ist mit einem großen roten Alarmknopf ausgestattet, auf dessen Betätigung hin alle sich im Areal befindlichen Kolleginnen und eine Sicherheitsbeauftragte zur betreffenden Box eilen, um den Sachverhalt zu klären.

Zum anderen - so erklärte eine, die es wissen muß - ist die Zeitersparnis enorm, weil man nicht jedesmal mit dem Freier in die Pampa fahren muß und auf diese Weise die Produktivität der Dienstleistungsdamen enorm gesteigert wird.

Ich hätte ja da - wie schon angedeutet - noch einen Verbesserungsvorschlag für die Steh-Verrichtungsboxen der KFZlosen: schon ein Querbalken im Verschlag (so etwa in Hüfthöhe) würde das Geschäft sicher beleben, die Spielartenvielfalt erweitern und den Damen das unbequeme Stehgeschäft erleichtern... ;o)

Ich wünsche auf jeden Fall - ob nun mit oder ohne Auto, mit oder ohne Querbalken - allen Beteiligten "gute Verrichtung".
Dienstag, 13.06.06
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Rettet die Ameisen!

oder: ein Beitrag zum Naturschutz

Jeder kennt sie. Nicht jeder mag sie. So mancher hatte schon mit ihnen zu kämpfen, den kleinen, flinken, emsigen Krabblern, die normalerweise ihre Behausung aus Nadeln, kleinen Zweigen, Moos und trockenem Erdreich in Nadelwäldern, bisweilen auch in Misch- und Laubwäldern errichten. Und zwar am liebsten an trockenen, sonnigen Stellen am Waldrand. Sie bauen am Nest, reinigen und verteidigen es, sie pflegen die Brut und die Königinnen und beschaffen das nötige Futter, indem sie verschiedene Schadinsekten jagen. Nicht zuletzt deshalb sind sie für die Lebensgemeinschaft unserer Wälder von großer Bedeutung, weshalb sie auch unter Naturschutz stehen.

Straff organisiert, keine Arbeitslosigkeit, kein Hunger, keine Steuern, dafür ein gut funktionierendes Erziehungs- und Pflegesystem und eine hervorragende Infrastruktur: ein Staat wie aus dem Bilderbuch. Fleißige Bauarbeiter haben ihn geschaffen, kümmern sich um den Erhalt und vergrößern ihn stetig. Zahlreiche Arbeiterinnen sorgen für ausreichend Nahrung und dafür, dass die Grundbedürfnisse jedes einzelnen Individuums befriedigt werden.

Alles ist bis ins kleinste Detail organisiert: Pilze und Vieh werden gezüchtet, Honig und Milch in großen Vorratsräumen gespeichert. Arbeitsteilung in allen Bereichen sichert das Überleben: Erziehung des Nachwuchses, Erhalt des Straßennetzes - alles wird gemeinschaftlich erledigt. Dabei sind die einzelnen Individuen derart selbstlos, dass sie sich für die Gemeinschaft opfern, notfalls sogar in den Tod gehen.

Und damit sind wir beim eigentlichen Thema, denn jetzt kommt der Mensch ins Spiel und es muss endlich mal gesagt werden:

Ich finde es einfach unverantwortlich, dass man unschuldige, kleine, fleißige Ameisen dafür missbraucht, sich kitzelnde Gefühle im Bauch zu verschaffen! Das geht los mit Hunderten, über Tausende bis hin zu Millionen der kleinen Kerlchen, die rücksichtslos aus ihrer heimischen Umgebung herausgerissen und in Körper jeder Form und Größe hineinverpflanzt werden. Und ergötzt sich der Übeltäter zunächst noch an dem angenehmen und/oder aufregenden Kitzeln in der Bauchregion (genannt: Verliebtheit), macht man die Opfer schon wenig später für an- oder aufgefressene Gehirne, Übelkeit, Schwindelgefühl oder sogar Chaos verantwortlich (obwohl doch jeder weiß, dass Ameisen so ziemlich das Organisierteste sind, was es gibt).

Ich als Insektenfreund kann diesem Treiben nicht länger tatenlos zuschauen! Deshalb mein Appell:
Leute - lasst die unschuldigen Ameisen aus dem Spiel! Nehmt meinethalben Flugzeuge, wenn ihr die Verantwortung für das Wuhling in Eurem Bauch unbedingt anderen zuschieben wollt. Schämt Euch nicht ob des Aussetzens Eures klaren Menschenverstandes, macht nicht harmlose Ameisen dafür verantwortlich. Ist es doch eine allgemein bekannte Tatsache, dass Verliebtheit mit zeitweiser Verblödung einhergeht, die im Übrigen auch - im Gegensatz zu unserer gut organisierten Ameise - für das in Euch herrschende Chaos verantwortlich ist. Also steht dazu. Denn auch wenn die Ameise das 40fache ihres eigenen Gewichtes tragen kann - die Verantwortung für Euer Gefühlsleben erdrückt selbst sie.

Deshalb: steht zu Euren Gefühlen und - rettet die Ameisen!
Donnerstag, 11.05.06
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